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Fernwärmenetz wird ausgebaut: Zwei neue Kessel für das Mainova-Heizkraftwerk

Stählerne Riesen schwebten am Samstag durch den Westhafen. Zwei neue Kessel fürs Heizkraftwerk West wurden entladen. Jeder wiegt rund 88 Tonnen. Drei Tage vergehen bis zum Einbau.

Frankfurt. 
Zentimeter um Zentimeter wird die Last angehoben, schwebt gut vier Meter über dem Asphalt, wird schließlich passgenau auf dem Anhänger abgesetzt. Den Arbeitern reichen ein paar Blicke und kurze, ruhige Kommandos über Funk, um die Bewegungen zu koordinieren. Wer sich von der immensen Last verunsichern ließe, wäre an diesem Tag in der Marina am Westhafen fehl am Platz.

Frankfurts Energieversorger Mainova baut sein Fernwärmenetz aus und hat deshalb zwei Kessel zur Dampferzeugungfürs Heizkraftwerk (HKW) West im Gutleutviertel bestellt. Am Samstagmittag wurden die beiden stählernen Kolosse am Mainufer per Schiff angeliefert. Jeweils 88 Tonnen mussten von dort auf den Laster gehievt werden.

Mit zwei Kränen macht sich das auf Schwerlasttransporte spezialisiert holländische Unternehmen Mammoet an das Abladen. „Wir zwei Kranführer kennen uns noch nicht, müssen aber trotzdem aufeinander vertrauen“, sagt Kranführer Andreas Kutz. Für ihn und seinen Arbeitgeber ist dieser Auftrag kein allzu großer. Mammoet hat im Jahr 2000 bei der Bergung des gesunkenen russischen Atom-U-Boots Kursk geholfen. Im Februar 2011 sorgte das Unternehmen für die Bergung des havarierten Binnentankschiffs Waldhof nahe St. Goarshausen.

Im Vergleich dazu sind die Bedingungen am Mainufer perfekt. Nur das Warten kratze an den Nerven. Etwa gegen 14 Uhr stehen die Kessel auf den Schwerlasttransportern, die polizeiliche Genehmigung für die kurze Fahrt zum Heizkraftwerk gilt jedoch erst ab 16 Uhr.

Die Route geht über Rotfederring, Zander- und Gutleutstraße. Bis spätestens Dienstag sollen die beiden Kessel in Kesselhaus auf dem Kraftwerksgelände eingebaut sein. Ein ehrgeiziger Zeitplan, Kutz und sein Kollege müssen dafür Nachtschichten einlegen, die Kessel müssen ja noch an ihren Platz.

Auch Matthias Kapraun, der vonseiten der Mainova den Einbau der Kessel überwacht, bekommt vorerst wenig Schlaf. „Wir bauen das Fernwärmenetz aus, die Kessel brauchen wir als Spitzenlast- und Reservekessel“, erklärt Kapraun. Im Heizkraftwerk sei das alte Kesselhaus, das schon seit längerem leer stand, komplett entkernt worden. Anlieferung und Einbau der neuen Kolosse seien eine der größten Investitionen der vergangenen Jahre. Wobei Mainova-Sprecher Thomas Breuer keine konkrete Summe nennen kann, was die Kessel kosten. Insgesamt würden im Zuge des Fernwärmeausbaus jedoch rund 61 Millionen Euro ins Heizkraftwerk West investiert. Der gesamte Fernwärmeausbau einschließlich der Netzerweiterung kostet das Unternehmen rund 130 Millionen Euro. Es ist damit die größte jemals getätigte Investition der Mainova in die Frankfurter Infrastruktur.

Dass die Kessel sicher in Frankfurt ankamen, ist auch Sieko Veenstras Verdienst. Der Kapitän hat die Schwerlast mit seinem Frachter im holländischen Venlo abgeholt und über Rhein und Main nach Frankfurt geschifft. Das Ablademanöver verfolgt er entspannt, beim Anlegen war er etwas nervöser geworden. „Nicht weil’s eng ist, sondern weil die reichen Leute hier Angst hatten, dass ich mit meinem Frachter ihre Kaimauer beschädige“, erzählt Veenstra. Dabei war es doch in seinem Leben anders herum. Vor rund 20 Jahren waren Veenstra bei einer Fahrt durch Frankfurt Trümmer der gerade in Sanierung befindlichen Friedensbrücke aufs Schiff gefallen. Das war danach Schrottwert.
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Zwei neue Kessel für das Mainova-Heizkraftwerk
Artikel vom 29.11.2015, 18:06 Uhr (letzte Änderung 03.12.2015, 03:33 Uhr)

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